Foto: Pater Jakob Zarzycki
Die Kirche St. Severin auf dem Innstädter Friedhof wurde erneut zum Ziel von Vandalismus und Respektlosigkeit. Immer wieder kommt es dort zu Diebstählen – Kerzen und Blumen verschwinden regelmäßig. Auch Obdachlose nutzen das Gotteshaus als Schlafplatz. So wurde vor einiger Zeit sogar in der Zelle des Hl. Severin eine schlafende Person entdeckt.
Am vergangenen Mittwoch kam es zu einem besonders gravierenden Vorfall: Ein Kerzenständer wurde gewaltsam zu Boden geworfen – mitten in der Kirche. Die Frage stellt sich: Wer tut so etwas an einem heiligen Ort? Kinder? Erwachsene? Es scheint, als habe der Respekt vor dem Sakralen zunehmend ausgedient. Das profane Leben dringt immer weiter in Räume ein, die eigentlich dem Gebet, der Stille und der Gottesverehrung vorbehalten sein sollten. Die Ehrfurcht ist so stark geschwunden, dass selbst Kirchen zweckentfremdet und beschädigt werden.
„Nach langer Suche konnten wir endlich jemanden finden, der bereit war, die Kirche täglich auf- und abzuschließen“, so P. Jakob. „Doch leider zwingt uns die aktuelle Lage dazu, die Türen wieder zu verschließen. Eine ständige Aufsichtsperson kann sich die Pfarrei nicht leisten.”
Der Pfarrer der Innstadtpfarrei, P. Jakob M. Zarzycki OSPPE, sah sich gezwungen, eine unpopuläre, aber notwendige Entscheidung zu treffen: Die St.-Severin-Kirche bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Sie wird nur noch zu Beerdigungen mit Requiem geöffnet.
Besucher und Touristen müssen sich künftig mit dem Blick von außen begnügen.
„Ich weiß, dass diese Entscheidung viele enttäuschen wird“, sagt der Pfarrer weiter. „Weihwasser kann nicht mehr geholt werden, der Besuch der Severinszelle ist nicht mehr möglich, ebenso wenig wie die Besichtigung der Werke des Architekten Leopold Hafner oder des römischen Grabaltars des Faustinianus aus dem 2. Jahrhundert.”
Für regelmäßige Instandsetzungen fehlen der Pfarrei die finanziellen Mittel. Immer wieder notwendige Reparaturen übersteigen die Kapazitäten der Kirchengemeinde.
Fazit: Es ist bedauerlich, dass viele Menschen nicht mehr verantwortungsvoll mit Kultur, dem Sakralen und unserem gemeinsamen Erbe umgehen können.
Text: Pater Jakob Zarzycki



